Am 23.01.2026 unternahmen die Schüler*innen des Geschichte-Leistungskurses mit ihrem Lehrer Felix Urban eine Exkursion ins Generallandesarchiv Karlsruhe, um sich unter der Anleitung von Dr. Jennifer Meyer mit exemplarischen Akten aus der NS- und Nachkriegszeit in Karlsruhe zu befassen. Neben einer Führung durch die üblicherweise nicht-zugänglichen Bereiche des Archivs (unter anderem durch die Akten zur Entnazifizierung in Karlsruhe) und einem Kennenlernen der Restaurationsarbeit in Archiven (unter anderem von mittelalterlichen Urkunden) standen im Mittelpunkt jene Themen, die zur Leitfrage des LKs "Wie sterben und wie rettet man Demokratien" sowie zum Schulmotto "Schule ohne Rassismus, Schule mit Courage" passten: Wie wurden Jüdinnen und Juden seit Beginn der NS-Herrschaft 1933 zunehmend entrechtet? Wie wurden Menschen abgewertet, kategorisiert, enteignet und schließlich ermordet und woran erkennt man all dies in den Reisepassanträgen und Bescheinigungen der NS-Bürokratie? Aber auch: Wie wurde in der darauffolgenden Demokratie ab 1949 mit dem geschehenen Unrecht umgegangen? Am Beispiel verschiedener Originalquellen lernten wir die junge Frau Anne-Rose Wolf kennen, die noch versucht hatte, auszureisen, vermutlich aber an der Langsamkeit Bürokratie des aufwendigen Antrags gescheitert und dann mit ihrer Mutter deportiert und ermordet worden ist, während der Vater, Julius Wolf, überlebte und sich - schließlich vergeblich - darum bemühte, unter anderem für sein 1938 bei der Reichspogromnacht zerstörtes Schneidereigeschäft entschädigt zu werden. Die Politik der "Wiedergutmachung" der jungen Bonner Demokratie in den 1950er Jahren klang auf den ersten Blick richtig, war in der Praxis aber zuweilen - und das lernt man nur am Studium von Originalakten - keineswegs so erfolgreich und empathisch, wie man zunächst denken könnte. Es war ein eindrücklicher Tag, der damit endete, dass manche Schüler*innen gleich länger blieben, um im Archiv eigene Ahnenforschung zu betreiben.