Kunst der Moderne. Wir haben dieses Mal die Staatsgalerie in Stuttgart besucht und uns mit moderner Kunst beschäftigt – zuerst theoretisch, anschließend praktisch. Im theoretischen Teil erhielten wir eine Führung und analysierten zu Beginn gemeinsam mit der Kunsthistorikerin Ute Scheitler-Giboin detailliert das Bild „Mittagsgebet bei der Ernte“, das 1861 von Theodor Friedrich Schüz gemalt wurde; es ist links zu sehen.
Dabei saßen wir im Halbkreis mitten in der Staatsgalerie vor eben diesem Bild und konnten in aller Ruhe darüber sprechen. Dieses Bild ist dem „Naturalismus“ zuzuordnen. Das heißt: In dieser Kunstepoche wurde versucht, die Natur nahezu 1:1 abzubilden und damit so realistisch wie möglich darzustellen. Der Bilderrahmen, hier in Gold, sollte gewissermaßen nur ein „Fensterrahmen“ sein, durch den man die Welt betrachtet. Das sieht man auch an den Details; so sind etwa die Füße der Kinder leicht dreckig und auch die Schatten der Personen werden originalgetreu dargestellt. Neun Monate lang arbeitete Schüz an diesem Bild. Warum aber haben wir dieses naturalistische Bild untersucht, wenn es doch um die „Kunst der Moderne“, also eine ganz andere Epoche, gehen sollte? Das liegt daran, dass diese moderne Kunst auf den Naturalismus folgte. Es setzte sich nämlich unter anderem langsam die Fotografie durch und weil sich die Wirklichkeit damit per Knopfdruck detailgetreu festhalten ließ, mussten in der Kunst neue Wege gegangen werden – auf den Naturalismus folgte also die Epoche „Kunst der Moderne“ (ca. 1890 bis 1970), in der die „künstlerische Freiheit“ im Zentrum steht und es nicht mehr darum geht, die Wirklichkeit, wie sie ist, 1:1 abzubilden. Die „Kunst der Moderne“ umfasst dabei allerdings verschiedene Strömungen: Den Impressionismus, den Postimpressionismus, den Expressionismus, den Kubismus, den Dadaismus oder den Surrealismus – um nur einige zu nennen. Anhand dreier Bilder haben wir uns näher mit dieser Epoche beschäftigt: Zuerst mit Claude Monets „Felder im Frühling“ (Impressionismus), anschließend mit Paul Gauguins „Bretonische Heuerinnen“ (Postimpressionismus) und letztlich mit Ernst Ludwig Kirchners „Friedrichsstraße“ (Expressionismus). So haben wir bei Monet beispielsweise gesehen, dass der Hintergrund bewusst unscharf gehalten ist und auch Gesichter kaum mehr zu erkennen sind, dass Gauguin Hände viel zu groß darstellt und „Flächen“ künstlerisch einsetzt oder dass Kirchner viel Bewegung in seine Bilder bringt und Menschen sehr abstrakt malt. Kurzum: Es handelt sich um einen Gegenentwurf zum Naturalismus – die Wirklichkeit wird jetzt bewusst künstlerisch verändert und interpretiert. Auf diese theoretischen Analysen folgte der praktische Teil. Und zwar gehen auf Kirchner die sogenannten „Fünf-Minuten-Skizzen“ zurück. Das heißt: Von einer Situation wird innerhalb von höchstens fünf Minuten eine schnelle Skizze angefertigt. Diese Skizze war später die Grundlage für seine Bilder. Jede Schülerin und jeder Schüler bekam jetzt ein Blatt Papier und einen Bleistift und sollte ein Bild aus der Staatsgalerie skizzieren – innerhalb der genannten fünf Minuten. Anschließend gingen wir in die Werkstatt der Staatsgalerie und fertigten auf Basis dieser Skizzen Bilder an – vor allem mit Pinseln und Wasserfarben. Vorgabe war: Die Bilder sollten „modern interpretiert“ werden. Hatte jemand also das obige „Mittagsgebet bei der Ernte“ skizziert, sollte das nun „modern“ gestaltet werden. Die Ergebnisse waren wirklich sehr gelungen – und die Skizzen und auch die darauf basierenden Bilder durften wir mit nach Hause nehmen. Für die überaus interessante Führung und die schönen Stunden in der Staatsgalerie bedanken wir uns nochmals ganz herzlich bei Ute Scheitler-Giboin. Wir haben viel gelernt! Und wer abschließend mehr rund um diese AG erfahren möchte, hier geht’s noch zur → AG-Seite.






